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Reise in die Vergangenheit

Namen wie Drehe (Tröge), Ribbesdorf, Dresewitz und Lodderstedt sind vielen Einwohnern bekannt - als Namen von Orten, die es lange vor uns einmal gab, die teilweise im Mittelalter wieder von der Erdoberfläche verschwanden und heute nur noch als Landschaftsstriche, kleine Wäldchen oder Teich(e) bekannt sind.

Dass die Zeit der Besiedlung um Belleben aber noch viel, viel weiter in der Geschichte zurückgeht, wissen dann schon nicht mehr so viele. Von dieser Besiedlungsgeschichte zeugen unzählige Grabungsfunde, als auch in der Vergangenheit zufällig (z.B. beim Ackerpflügen) gemachte Funde. Die ältesten davon sind über 5.000 Jahre alt. Viele dieser "Zufallsfunde" wurden bereits 1954 in der Chronik zum 1.000-jährigen Bestehen Bellebens erwähnt.

Einige dieser (öffentlich bekannten) Funde, sollen die nachfolgenden Beiträge etwas näher beleuchten.

Bilddetails - Ausschnitt aus:  Topographische Karte (Meßtischblätter); 4335,1934 / Beschreibung: Hettstedt. - Hrsg. 1904, bericht. 1926, gedr. [19]34. - 1:25000. - [Berlin]: Reichsamt für Landesaufnahme, 1934. - 1 Kt.



Die Kreisgrabenanlagen (ca. 3.600 v.Chr.)

Monumente der Zusammenkunft: Die Kreisgrabenanlagen Belleben I und II – Kultplatz,
Wettkampf- und Vermittlungsstätten.

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(Qellennachweise am Ende des Artikels)

 

Zwischen den Orten Belleben und Gerbstedt errichteten die Menschen der Baalberger Kultur ca. 3.600 v.Chr. zwei imposante Grabenwerke, die nur ca. 700m voneinander entfernt liegen und bei denen es sich um die bisher einzigen, bisher bekannten Kreisgrabenanlagen der Trichterbecherzeit handelt. Ihre tatsächliche Bedeutung ist bis heute ungeklärt und lässt nur Vermutungen zu:

"In der Kreisgrabenanlage von Belleben I fanden verschiedene Aktivitäten statt, deren materielle Niederschläge uns merkwürdig und unverständlich erscheinen und wohl dem kultisch-spirituellen Lebensbereich zuzuschreiben sind. Hierzu zählt die Niederlegung eines jungen Hundes, dessen Skelett im anatomischen Verband lag, dessen Schädel aber vor der Niederlegung abgetrennt worden war. Die einzigen weiteren Fragmente eines Hundes, der den archäozoologischen Untersuchungen zufolge wahrscheinlich zu diesem Skelett gehört, wurden etwa 57 m entfernt im Kreisgraben entdeckt. Bemerkenswert ist ein Silexartefakt, das im Brustkorb des Hundeskelettes steckte: ein großer, natürlich gebuchteter Abschlag, dessen Form und Größe heutigen Aufbrechklingen gleichkommt. Das auf der Grabensohle niedergelegte Hundeskelett wurde sogleich mit Löss bedeckt. Exakt 0,2 m oberhalb des Skelettes kamen größere Fragmente eines Beckenknochens vom Rind sowie mehrere nicht mehr bestimmbare Knochenfragmente zum Vorschein. Es dürfte sich um ein bewusstes Arrangement handeln, bei dem die Knochen als Beigabe für ein Weiterleben nach dem Tod mitgegeben wurden.

"Funde und Befunde der lassen es zu, die Kreisgrabenanlage Belleben I als außergewöhnlichen Ort zu interpretieren, an dem mehrere Clans oder Sippen zusammenkamen, um verschiedene Aktivitäten auszuüben. Diese reichten vom Schlachten von Opfertieren bis hin zum Feiern großer Feste. Sicher hat auch der Austausch von Wissen, Informationen und Gütern eine Rolle gespielt. Zwischenmenschliche Kontakte, aber auch der identitätsstiftende Wettkampf, die Festigung der Führungspositionen sowie die Lenkung und Regulierung gesellschaftlicher Belange und Bedürfnisse waren sicher von besonderer Bedeutung."

(Volltext zu finden unter: academia.edu, weiterführend hierzu:  Uni Kiel)

 

Abb. 1 - Zusammengesetztes Luftbild der Kreisgrabenanlage Belleben I, Salzlandkreis, im Planum. Die drei Gruben im Inneren sind als annähernd gleichseitiges Dreieck gruppiert. - Foto: O. Rück; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas

Abb. 2 -  Belleben I. Skelett eines jungen Hundes im anatomischen Verband. Fragmente des wohl zugehörigen Schädels wurden 57 m entfernt im nördlichen Abschnitt des Grabens gefunden. Der Schädel wurde sehr wahrscheinlich anthropogen verlagert. Dafür spricht einerseits die Bestattungssituation mit der Beigabe von Rinderknochen. Wäre der Kadaver nicht mit Erde bedeckt worden hätten ihn kleinere Nagetiere sicherlich angefressen und den anatomischen Verband gestört. - Foto: O.Rück

Abb. 3 - Belleben I. Röhrchenförmiges Objekt aus Zinnbronze - Foto: O. Rück

Textnachweis(e):

  • François Bertemes, Oliver Rück: Monumente der Zusammenkunft: Die Kreisgrabenanlagen Belleben I und II – Kultplatz, Wettkampf- und Vermittlungsstätten. In: Harald Meller (Hrsg.): 3300 BC. Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt. Sonderausstellung vom 14. November 2013 bis 18. Mai 2014 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Landesmuseum für Vorgeschichte, Nünnerich-Asmus, Mainz 2013, S. 135–138
  • Oliver Rück, Die baalbergezeitliche Kreisgrabenanlage Belleben I (Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt). Die Ausgrabungen 2009 bis 2011 – Vorbericht und erste Ergebnisse. In: M. Hinz/J. Müller (Hrsg.), Siedlung, Grabenwerk, Großsteingrab. Studien zu Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt der Trichterbechergruppen im nördlichen Mitteleuropa. Frühe Monumentalität u. soziale Differenzierung 2, Bonn 2012, S. 389–409
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Das Urnengrab von Belleben (ca. 300 v.Chr.)

Ein kleiner Einblick in die Bestattungskultur (kurz) vor der Zeitwende.

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(Qellennachweise am Ende des Artikels)

 

„Das Grab war in bestehendem Gebirge (Lehm) würfelförmig ausgestochen, etwa ¾ m im Quadrat, die Sohle lag 1 ½ m unter der Erdoberfläche und war mit mehreren Steinplatten, Schackstedter Kalkstein, ausgelegt; die Wände waren ohne Belag; überdeckt war das Grab mit 2 großen Steinplatten von demselben Material; über diesen lag eine Schicht Sand, etwa 10 cm stark, und darüber nochmals Steinplatten; über letzteren folgte Ackererde.

Die Fundstelle liegt auf einem Ackerstück der Belleber Flur mit gutem schweren Ackerboden, genannt „Obermarke“, etwa 3-4000 m norwestlich von Belleben; auf demselben Feldstück sollen noch einige Gräber sein.

Nur das große doppelkonische Gefäß, 30 cm hoch, enthielt Leichenbrand, in demselben stand ferner das Beigefäß und in diesem Beigefäß lag der bronzene Spiralhaken…“

(Volltext zu finden unter: archives.org)

 

Abb. - Inhalt des Urnengrabes von Belleben

Bild- und Textnachweis:

  •   Prof. Dr. Höfer, Urnengrab von Belleben, In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, herausgegeben im Namen des Vereins durch Dr. Ed. Jacobs, 31. Jahrgang, Wernigerode 1889, S. 281 ff. mit weiteren Nachweisen
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Ein römisches Gorgoneion aus Belleben-Haus Zeitz (ca. 3. Jh.)

Ein Römer zu Besuch in Belleben?

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(Quellennachweise am Ende des Artikels)

 

"Nach den Inventarbüchern des Archäologischen Museums wurde das Gorgoneion »bei dem Vorwerk Zeitz bei Alsleben an der Saale (Prov. Sachsen) in einer Urne mit Resten von Knochen und Asche« gefunden. Das Archäologische Museum gelangte schon 1871 in den Besitz des Stückes und zwar als Geschenk des »Herrn Diaconus Ahrends«, der es wiederum »von dem Herrn Oberamtmann Haberland« erhalten hatte.

Diese historischen Daten weisen darauf hin, dass der Fundzeitpunkt des Gorgoneions im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts liegt. Im Gegensatz zu den Fundumständen gibt es in den Inventarbüchern keine Aussagen zu der genauen Fundstelle. Der Hinweis auf eine »Urne mit Resten von Knochen und Asche« deutet zweifellos auf ein Urnengrab.

Fundstellen mit dieser Fundgattung, zumal aus der römischen Kaiserzeit, sind jedoch bislang in der Gemarkung Belleben nicht bekannt geworden. Die in diesem Kontext noch weitgehend aktuelle Zusammenstellung von Rudolf Laser verzeichnet lediglich eine »streng gegliederte« Schalenurne unbekannten Fundortes aus der nahen Gemarkung Alsleben (Salzlandkreis) 7. Zudem wird von einem »Hügel« unbekannter Lage bei Alsleben berichtet, aus dem unter anderem ein römischer Fingerring »von schwarzer, matt glänzender Masse« mit der Aufschrift AVE DVLCI und »Urnen in Menge […], doch nur in Bruchstücken« stammen sollen 8. Folglich kann aus den derzeit verfügbaren Informationen keine genaue Fundstelle des Gorgoneions
rekonstruiert werden.

Aus dem überlieferten Grabinventar von Belleben ergibt sich zusammenfassend das Bild einer Person, die die neueste Gürtelmode trug, die im 3. nachchristlichen Jahrhundert höchstwahrscheinlich die römischen Rheinprovinzen gesehen hatte und diese Erlebnisse in Gestalt des Gorgoneions zur Schau trug, die ihre letzten Tage im östlichen Harzvorland verbrachte, um sich nach dem Tod gemäß germanischer Sitte auf dem Scheiterhaufen verbrennen und in einem Keramikgefäß, das zu einer Urne umfunktioniert wurde, begraben zu lassen."

(Volltext unter: Uni Heidelberg)

 

Abb. - Das Gorgoneion (a-c) von Belleben (Salzlandkreis). – (a. c Fotos F. Gall; b Foto H. Löhr). – M. 1:1.

Bild und Textnachweise:

  • Fabian Gall, Ein römisches Gorgoneion aus Belleben-Haus Zeitz (Salzlandkreis), In: Archäologisches Korrespondenzblatt 45 Nr. 1 (2015), herausgegeben vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Mainz 2017, S. 125 ff. mit weiteren Nachweisen
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Gänge bei dem Rittergute Haus Zeitz (vermutl. um die Zeitenwende)

aus: Mittheilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumshunde II Band. Dessau 1880, Dr. Wilhelm Hosäus (Herausg.)

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Gänge bei dem Rittergute Haus Zeitz. *)

Von Bürgermeister Lehmer in Bernburg.

*) Der nachfolgende Aufsatz ist dem vom Herzogl. Staatsministerium der Redaction zur Verfügung gestellten amtlichen Berichte des Herrn Bürgermeister Lehmer entnommen.

Bei der ursprünglichen Ausräumung des Zuganges bis zu dessen Sohle (dem festen Boden) zeigten sich hier gangartige Öffnungen, von denen die nordöstliche und südwestliche verstürzt waren, die nordwestliche nur eine Tiefe von 1 Meter bei gleicher Höhe und Breite hatte, und die östliche, theilweise offen, sich in der Richtung nach dem alten Schlosse Pforta zu erstrecken schien. Es wurde hieraus Veranlassung genommen, die letztere zunächst zu untersuchen. Bei dieser, sowie den späteren Aufwältigungen, wurden die in Lehm stehenden Gänge an den etwa unsicher erscheinenden Stellen leicht verzimmert, um die Arbeiter zu sichern. Der Gang hatte ebenfalls 1 Meter Höhe und Weite und führte bei 7 Meter Länge auf eine Kreuzung mit einem in nordsüdlicher Richtung führenden Gange. Am Kreuze selbst war eine halbkreisförmige Erweiterung von 3 Meter Weite und 1.85 Meter Höhe im Scheitel. Der ursprüngliche Gang erstreckte sich in östlicher Richtung noch 2 Meter fort und endete mit 0,5 Meter Höhe. An der Sohle zeigte sich hier noch eine anderweitige Oeffnung. die jedoch wegen der nur geringen Weite von 0,3 Meter nicht verfolgt werden konnte. Der an der Kreuzung nach rechts (in südlicher Richtung) abführende Zweig war nur wenig verstürzt und 3 Meter lang. An seinem Ende befindet sich eine 1 Meter lange Umbiegung nach Osten mit einer in der Decke anscheinend zu Tage führenden kleinen Oeffnung. die jedoch verstürzt war. In und vor dieser Einbiegung fanden sich Knochenreste von Thieren, Scherben von Kochgeschirren, kleine voll ständig verrostete Eisentheile und Steine mit von Rauch angeschwärzten Flächen. Es scheint hiernach, als ob dieser Raum vorübergehend zum Kochen gedient habe.

D. R. Flügel zeigte sich ebenfalls bis auf 3 Meter Länge offen und dann mit oberem Boden verstürzt. Da die Vermuthung vorlag, daß dieser letztere Flügel mit dem vom Einbruch in nordöstlicher Richtung abführenden Gange in Verbindung stehen könnte, wurde hier aufgewaltigt. Auffallenderweise zeigte sich derselbe bei 3'/, Meter Länge mit Lehmschlag fest ausgestampft. Es wurde deshalb von jenem nördlichen Flügel ab vorgegangen und hier zunächst constatirt, daß eine verschüttete frühere Oeffnung von circa 1,25 Meter Weite zu Tage führte. Nach dem Entfernen des Oberbodens, der auch einen Theil der Gangfortsetzung ausfüllte, traf man auch von dieser Seite auf die Aussetzung mit dem Lehmschlag, welche sich nach dem Wegräumen auf 2 ½ Meter Länge erwies. Der Gang hatte sehr starke Windungen und zeigten die Stiche an den Wänden, daß derselbe von beiden Seiten aus getrieben war. In der Nähe jener Tagesöffnung wurden auf der Sohle des Ganges ebenfalls Reste von Knochen und Topfscherben, sowie angebrannte Steine vorgefunden. Eine weitere Ausbiegung des Ganges nach dem Schlöffe Pforta zu wurde nicht gefunden. Da der vom Einbruch aus nordwestlich führende Gang bereits > bei 1 Meter Länge sein Ende hatte — an dem Ortsstoße wurden die von einer breiten Haue herrührenden Hiebe noch deutlich erkannt, — so wurde nunmehr der daneben abmündende westliche, die Richtung nach Roda zeigende Gang aufgenommen. Derselbe war nur zum Theil verstürzt, wendete sich bei 3,5 Meter Länge nach Süden und nahm bei fernerer 1,5 Meter Länge östliche Richtung an, welche er auf 11 Meter Länge beibehielt, so daß er also dem Mittelgange voll ständig parallel ging. An seinem Ende befand sich ebenfalls eine mit oberem Boden verstürzte Oeffnung zu Tage. Seitliche Abzweigungen fanden sich nicht vor. Die Gangzüge scheinen hiernach ein für sich abgeschlossenes Ganze zu bilden, und eine weitere Verbindung mit dem Schlosse Pforta, andererseits mit dem Vorwerk Roda nicht zu haben. Die Gänge liegen gegenwärtig 1.5 bis 2,5 Meter unter der Tagesoberfläche. Die Nachrichten über früheres Abfahren von Boden bei der Urbarmachung des Terrains lassen darauf schließen, daß die Tiefe unter Tage mindestens 4 bis 5 Meter betragen hat. Sie sind im Lehm und mit der Sohle auf den unterliegenden rothen Thonen des bunten Sandsteins getrieben. Auffallend sind die geringen Dimensionen, Höhe und Weite gehen nicht über das Maß von 1 bis 1.2 Meter. In dem südlichen Gangzüge ist die Weite sogar an einzelnen «teilen höchstens 0,75 Meter. Ebenso auffallend sind die verschiedenen Windungen, abgesehen von der oben erwähnten Kreuzung und Erweiterung. Die aufgefundenen Knochen bestanden in Schädeln. Wirbel und Schulterknochen eines ausgewachsenen und eines jungen Hundes (Jagdhund). Brust und Schenkelknochen eines Feldhuhnes, Schädeln. Kiefern von Nagethieren (Ratten?). Zu ihnen gesellte sich ein Reibzahn von circa 3 cm. Querschnitt, der nach der Lage der Lamellen zu urtheilen anscheinend einer kleinen Elephas-Art (?) angehört. Die Scherben von Kochgefäßen kennzeichnen verschiedene Zeitepochen. Sie sind einestheils dick, mit der Hand geformt und schwach gebrannt, wie sie in den slawischen Niederlassungen gefunden werden, anderntheils dünn, aus gleichförmigem thonigen Material, auf dem Drehtisch gefertigt und scharf gebrannt. Die Verwendung der ursprünglichen Gefäße zu Kochgeschirren erweist sich aus dem anhaftenden Ruß an der Außenseite. Die wenigen Eisentheile lassen sich bezüglich ihrer Verwendung wegen des vollständigen Verrostens nicht beurtheilen. Da die Arbeiten in den Gängen als abgeschlossen angesehen werden konnten, wurde» an der Stelle des alten Schlosses Pforta Abräumungen vorgenommen, um neben der Entblößung des Mauerwerks nach etwa vorhandenen Kellern und Gewölbe» in Anschluß an jene Gänge zu suchen. Es wurde zunächst ein Stück Umfassungsmauer von 1,2 Meter Stärke, 0,5 Meter Höhe und 4 Meter Länge aus Sandstein mit Kalkmörtel freigelegt, östlich derselben waren Anhäufungen von zerbrochenem Mauerwerk, bei dessen Aufwältigung sich jedoch erkennen ließ, daß man es mit Ausfüllung von Löchern zu thun hatte, aus denen Erde abgefahren war. In diesem Steinschutt wurde ein Bracteat gefunden. Derselbe war zerbrochen und verrostet, jedoch gelang es mir das Gepräge klar zu legen. Bezüglich der Abstammung desselben spricht sich Herr Pastor Stenzel in Dohndorf folgendermaßen aus:

Der betreffende Bracteat zeigt durchaus nicht den Typus der Abtei Helmstedt. Er ist aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Erzbisthum Magdeburg ausgegangen, frühestens vom Erzbischof Willebrand, (+ 1253) spätestens vom Erzbischof Conrad ... Wüßten wir bestimmt, daß die Abtei Nienburg im 3. Viertel des 13. Jahrhunderts geprägt hat, so würden Liebhaber Anhaltischer Münzen diesen Bracteaten für unsere Abtei gern beanspruchen. Das wenigstens steht fest, daß unser Stück sowohl den Magdeburgischen als den Anhaltischen Typus jener Zeit trägt. Ich erinnere mich nicht, Ihren Stempel bereits gesehen zu haben.

Westlich der Mauer befinden sich Schuttanhäufungen von Hohlziegeln mit verbranntem Holze, welche jedenfalls von dem Zusammensturz eines Daches in Folge eines Brandschadens herrühren, wenn man es nicht (nach der Form und Ausfüllung der Ziegel zu schließen) mit Resten eines Topfgewölbes zu thun hat. Die Mittheilung eines alten Arbeiters, daß bei früherem Abfahren von Erde ein unterirdischer Gang mit abführenden Treppen freigelegt, jedoch zur Vermeidung von Unglücksfällen wieder verschüttet sei, veranlagte vor Einstellung der Arbeiten zu nochmaligen Versuchen. Leider konnte die qu. Stelle nicht genau angegeben werden und gelang es auch nicht, den Eingang aufzufinden. Durch die unternommenen Arbeiten wurden verschiedene 1 ½ bis 2 ½ Meter tiefe Löcher mit Schuttanfüllungen freigelegt, die unverkennbar ursprünglich ausgemauerte Erdhütten oder Keller gewesen sind und zum Aufenthalt von Menschen gedient haben. In einem derselben wurden auf der Hechle angekohlte steine, verkohltes Holz. Scherben verschiedener Beschaffenheit und ein Dreifuß gefunden. Aus den Scherben ist es mir gelungen, die ursprüngliche Gestaltung des Topfes zusammen zu stellen. An einer anderen Stelle war auf der Sohle der 2,5 Meter tiefen Ausschachtung, — welche mit Oberboden und Schutt angefüllt war, — und zwar an deren nördlichen Ende ein 0.5 Meter weites und 0,5 Meter tiefes Loch, in welchem Scherben älterer und jüngerer Zeit, Asche mit verkohltem Holz und Knochenresten und ein Stück Eisen in Form eines Hufeisens vorgefunden wurden. Eine weitere Nachgrabung fühlte auf Fundamentmauern eines Hauses. Dieselben hatten eine Stärke von 0,75 Meter und einen abgetheilten Raum von 3 Meter Weite. Sie bestehen aus Sandstein mit Kalkmörtel. In der Nähe dieses Gemäuers wurde ein 1 Meter tiefer Graben gezogen, um event. hierdurch den vorerwähnten Gang aufzufinden, und hierbei ein Kirchenschlüssel und ein Stück Stahlblech aufgefunden, welches letztere möglichenfalls der Rüstung eines Streiters oder eines Pferdes angehören mag. Scherben und Knochenreste fehlten auch hier nicht. Nach den Angaben des vorerwähnten alten Arbeiters sind bei dem früheren Abfahren von Erde die verschiedensten Gegenstände von Eisen und anderem Metall u, f. w. gefunden worden, allein sie sind unbeachtet verschleudert. Durch die Beackerung des Terrains ist dasselbe wesentlich verändert worden, so daß sichere Anhaltspunkte für die Beurtheilung der Entstehung und des Zweckes der Gänge mit verschwunden sind. Ausgeschlossen möchte wohl die Ansicht sein, das; letztere dazu gedient haben, eine Verbindung zwischen dem Schlosse Pforta und Roda zu vermitteln, ebenso auch, daß man sie gegraben hat, um Lehm zu baulichen und anderen Zwecken zu gewinnen. Gegen die erstere Annahme spricht die Abgeschlossenheit des untersuchten Gangsystems; gegen die letztere, daß die Gangzüge nur geringe Dimensionen haben und wie dies bei dem nördlichen Zweige der Fall ist, zum Theil in den lettigen Schichten des bunten Sandsteins getrieben sind. Möglichenfalls haben die Gänge in den Niederlassungen gewisser Zeitepochen als Zufluchtsort gedient, ob nun aber in den Zeiten, in denen das Schloß Pforta noch bestand und mit Ansiedelungen um eben war, oder aber früher, wage ich nicht zu entscheiden. Vielleicht ließe sich einiger Aufschluß aus etwa noch vorhandenen Urkunden über Pforta erlangen. Jedenfalls haben die Arbeiten erwiesen, daß das Pforta er Terrain nicht ohne kulturhistorisches Interesse ist, daß man es mit Niederlassungen zu thun hat. welche von der Zeit des dreißigjährigen Krieges oder aber des Bauernkrieges zurückreichen bis in die frühchristlichen, wenn nicht vorchristlichen Zeiten. Abgesehen davon, daß in der Nähe des untersuchten Terrains Hünengräber mit Urnen, ebenso auch Backöfen mit noch vorhandenen gedarrten Körnern früher aufgedeckt worden sind, geben auch hierfür die verschiedenen Scherben in ihrer Form und dem verwendeten Material interessantes Zeugniß. Bei ihnen sind die Gegenstände, die an Ort und Stelle aus dem vorhandenen Material geformt wurden, wohl zu trennen von denen, die vielleicht in späteren Zeiten aus anderen Districten eingeführt wurden (Nürnberger Thonwaaren aus dem 15. und namentlich dem 16. Jahr hundert). Die mit der Hand geformten Geschirre sind zum Theil nur hart getrocknet, zum Theil gebrannt, theils roh verwendet, theils mit Graphit an der Innen- und Außenseite bearbeitet; ebenso sind die auf dem Drehtisch hergestellte!! Gefäße entweder roh, oder aber außen oder innen glasirt verwendet worden. In der Gestaltung kommen die ältesten Formen mit rundem Bauch vor, neben den neuern in eckigem Rand und geradem Boden. Mehr an dem südlichen Gehänge des Untersuchungsterrains wurden bei den Nachgrabungen an verschiedenen Stellen theils vollständige menschliche Gerippe, theils Theile derselben freigelegt. Die Länge des einen wurde zu 2,2 Meter abgemessen . . .

Bemerkung der Redaction. Ist es schon dem Erstatter des amtlichen Berichts nicht möglich gewesen, ein bestimmtes Urtheil über die Natur und ursprüngliche Bedeutung der betreffenden unterirdischen Gänge von Haus Zeitz zu geben, so wird es uns. die wir nicht selbst an Ort und Stelle gewesen sind und durch Autopsie nicht unterstützt werden, noch schwerer sein, etwas Abschließendes über die selben zu äußern. Gleichwohl scheint es angemessen, auf das zu weisen, sich abgeschlossenen Complex niederer, ursprünglich tiefgelegener Gänge von geringer Dimension zu thun, die unter sich, ohne auf die Beschaffenheit des Erdreichs Rücksicht zu nehmen, in Beziehung stehen. Aus der Abgeschlossenheit des Complexes ergiebt sich, daß es sich hier nicht um Gänge handelt, welche ehemals zwei Orte verbunden haben; aus der Durchführung der Gänge durch verschiedenes Erdreich, wie aus der geringen Weite derselben und ihrer ursprünglichen tiefen Lage folgt, daß sie nicht gegraben worden sind, um Lehm oder überhaupt Erdreich für bauliche oder andere Zwecke zu gewinnen: aus Allem aber dürfte zu schließen sein, daß der ganze Bau ursprünglich zu einer Wohnstätte bestimmt gewesen sei und, wie die daselbst vorgefundenen Gegenstände beweisen, auch zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Geschlechtern als Schutz und Zuflucht gedient habe. Wann er entstanden, wird freilich wohl nie mit Sicherheit nachgewiesen werden können. Bestätigt sich, was Herr Sanitätsrath Dr. M. Fräntel in seinem Aufsatze über die in der Nähe dieser Gänge gefundenen beiden Schädel glaubt annehmen zu dürfen, daß nämlich dieselben uralt und der germanischen Rasse zugehörig seien, so läge die Vermuthung nahe, daß jener Bau ebenfalls uralt sei und die gefundenen Skelete vielleicht die der frühesten Bewohner dieser Höhlen seien. Über eine Ortschaft, an welche sich etwa der Bau angeschlossen, ist nichts bekannt. Der Name Zeitz (Zitizc) ist wendisch und weist auf späteren Ursprung. Da der Gegenstand interessant genug ist, so richten wir an die Leser dieser Blätter, ganz besonders auch an die Mitglieder auswärtiger Vereine, mit denen wir in Schriftenaustausch stehen, die Frage, ob sich ihnen aus dem Berichte des Herrn Bürgermeisters Lehmer andere Schlüsse als näherliegend und mehr zutreffend ergeben und bitten, uns event. ihre abweichenden Ansichten nicht vorenthalten zu wollen.
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