Reise in die Vergangenheit

Namen wie Drehe (Tröge), Ribbesdorf, Dresewitz und Lodderstedt sind vielen Einwohnern bekannt - als Namen von Orten, die es lange vor uns einmal gab, die teilweise im Mittelalter wieder von der Erdoberfläche verschwanden und heute nur noch als Landschaftsstriche, kleine Wäldchen oder Teich(e) bekannt sind.

Dass die Zeit der Besiedlung um Belleben aber noch viel, viel weiter in der Geschichte zurückgeht, wissen dann schon nicht mehr so viele. Von dieser Besiedlungsgeschichte zeugen unzählige Grabungsfunde, als auch in der Vergangenheit zufällig (z.B. beim Ackerpflügen) gemachte Funde. Die ältesten davon sind über 5.000 Jahre alt. Viele dieser "Zufallsfunde" wurden bereits 1954 in der Chronik zum 1.000-jährigen Bestehen Bellebens erwähnt.

Einige dieser (öffentlich bekannten) Funde, sollen die nachfolgenden Beiträge etwas näher beleuchten.

Bilddetails - Ausschnitt aus:  Topographische Karte (Meßtischblätter); 4335,1934 / Beschreibung: Hettstedt. - Hrsg. 1904, bericht. 1926, gedr. [19]34. - 1:25000. - [Berlin]: Reichsamt für Landesaufnahme, 1934. - 1 Kt.



Die Kreisgrabenanlagen (ca. 3.600 v.Chr.)

Monumente der Zusammenkunft: Die Kreisgrabenanlagen Belleben I und II – Kultplatz,
Wettkampf- und Vermittlungsstätten.

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(Qellennachweise am Ende des Artikels)

 

Zwischen den Orten Belleben und Gerbstedt errichteten die Menschen der Baalberger Kultur ca. 3.600 v.Chr. zwei imposante Grabenwerke, die nur ca. 700m voneinander entfernt liegen und bei denen es sich um die bisher einzigen, bisher bekannten Kreisgrabenanlagen der Trichterbecherzeit handelt. Ihre tatsächliche Bedeutung ist bis heute ungeklärt und lässt nur Vermutungen zu:

"In der Kreisgrabenanlage von Belleben I fanden verschiedene Aktivitäten statt, deren materielle Niederschläge uns merkwürdig und unverständlich erscheinen und wohl dem kultisch-spirituellen Lebensbereich zuzuschreiben sind. Hierzu zählt die Niederlegung eines jungen Hundes, dessen Skelett im anatomischen Verband lag, dessen Schädel aber vor der Niederlegung abgetrennt worden war. Die einzigen weiteren Fragmente eines Hundes, der den archäozoologischen Untersuchungen zufolge wahrscheinlich zu diesem Skelett gehört, wurden etwa 57 m entfernt im Kreisgraben entdeckt. Bemerkenswert ist ein Silexartefakt, das im Brustkorb des Hundeskelettes steckte: ein großer, natürlich gebuchteter Abschlag, dessen Form und Größe heutigen Aufbrechklingen gleichkommt. Das auf der Grabensohle niedergelegte Hundeskelett wurde sogleich mit Löss bedeckt. Exakt 0,2 m oberhalb des Skelettes kamen größere Fragmente eines Beckenknochens vom Rind sowie mehrere nicht mehr bestimmbare Knochenfragmente zum Vorschein. Es dürfte sich um ein bewusstes Arrangement handeln, bei dem die Knochen als Beigabe für ein Weiterleben nach dem Tod mitgegeben wurden.

"Funde und Befunde der lassen es zu, die Kreisgrabenanlage Belleben I als außergewöhnlichen Ort zu interpretieren, an dem mehrere Clans oder Sippen zusammenkamen, um verschiedene Aktivitäten auszuüben. Diese reichten vom Schlachten von Opfertieren bis hin zum Feiern großer Feste. Sicher hat auch der Austausch von Wissen, Informationen und Gütern eine Rolle gespielt. Zwischenmenschliche Kontakte, aber auch der identitätsstiftende Wettkampf, die Festigung der Führungspositionen sowie die Lenkung und Regulierung gesellschaftlicher Belange und Bedürfnisse waren sicher von besonderer Bedeutung."

(Volltext zu finden unter: academia.edu, weiterführend hierzu:  Uni Kiel)

 

Abb. 1 - Zusammengesetztes Luftbild der Kreisgrabenanlage Belleben I, Salzlandkreis, im Planum. Die drei Gruben im Inneren sind als annähernd gleichseitiges Dreieck gruppiert. - Foto: O. Rück; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas

Abb. 2 -  Belleben I. Skelett eines jungen Hundes im anatomischen Verband. Fragmente des wohl zugehörigen Schädels wurden 57 m entfernt im nördlichen Abschnitt des Grabens gefunden. Der Schädel wurde sehr wahrscheinlich anthropogen verlagert. Dafür spricht einerseits die Bestattungssituation mit der Beigabe von Rinderknochen. Wäre der Kadaver nicht mit Erde bedeckt worden hätten ihn kleinere Nagetiere sicherlich angefressen und den anatomischen Verband gestört. - Foto: O.Rück

Abb. 3 - Belleben I. Röhrchenförmiges Objekt aus Zinnbronze - Foto: O. Rück

Textnachweis(e):

  • François Bertemes, Oliver Rück: Monumente der Zusammenkunft: Die Kreisgrabenanlagen Belleben I und II – Kultplatz, Wettkampf- und Vermittlungsstätten. In: Harald Meller (Hrsg.): 3300 BC. Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt. Sonderausstellung vom 14. November 2013 bis 18. Mai 2014 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Landesmuseum für Vorgeschichte, Nünnerich-Asmus, Mainz 2013, S. 135–138
  • Oliver Rück, Die baalbergezeitliche Kreisgrabenanlage Belleben I (Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt). Die Ausgrabungen 2009 bis 2011 – Vorbericht und erste Ergebnisse. In: M. Hinz/J. Müller (Hrsg.), Siedlung, Grabenwerk, Großsteingrab. Studien zu Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt der Trichterbechergruppen im nördlichen Mitteleuropa. Frühe Monumentalität u. soziale Differenzierung 2, Bonn 2012, S. 389–409
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Das Urnengrab von Belleben (ca. 300 v.Chr.)

Ein kleiner Einblick in die Bestattungskultur (kurz) vor der Zeitwende.

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(Qellennachweise am Ende des Artikels)

 

„Das Grab war in bestehendem Gebirge (Lehm) würfelförmig ausgestochen, etwa ¾ m im Quadrat, die Sohle lag 1 ½ m unter der Erdoberfläche und war mit mehreren Steinplatten, Schackstedter Kalkstein, ausgelegt; die Wände waren ohne Belag; überdeckt war das Grab mit 2 großen Steinplatten von demselben Material; über diesen lag eine Schicht Sand, etwa 10 cm stark, und darüber nochmals Steinplatten; über letzteren folgte Ackererde.

Die Fundstelle liegt auf einem Ackerstück der Belleber Flur mit gutem schweren Ackerboden, genannt „Obermarke“, etwa 3-4000 m norwestlich von Belleben; auf demselben Feldstück sollen noch einige Gräber sein.

Nur das große doppelkonische Gefäß, 30 cm hoch, enthielt Leichenbrand, in demselben stand ferner das Beigefäß und in diesem Beigefäß lag der bronzene Spiralhaken…“

(Volltext zu finden unter: archives.org)

 

Abb. - Inhalt des Urnengrabes von Belleben

Bild- und Textnachweis:

  •   Prof. Dr. Höfer, Urnengrab von Belleben, In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, herausgegeben im Namen des Vereins durch Dr. Ed. Jacobs, 31. Jahrgang, Wernigerode 1889, S. 281 ff. mit weiteren Nachweisen
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Ein römisches Gorgoneion aus Belleben-Haus Zeitz (ca. 3. Jh.)

Ein Römer zu Besuch in Belleben?

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(Quellennachweise am Ende des Artikels)

 

"Nach den Inventarbüchern des Archäologischen Museums wurde das Gorgoneion »bei dem Vorwerk Zeitz bei Alsleben an der Saale (Prov. Sachsen) in einer Urne mit Resten von Knochen und Asche« gefunden. Das Archäologische Museum gelangte schon 1871 in den Besitz des Stückes und zwar als Geschenk des »Herrn Diaconus Ahrends«, der es wiederum »von dem Herrn Oberamtmann Haberland« erhalten hatte.

Diese historischen Daten weisen darauf hin, dass der Fundzeitpunkt des Gorgoneions im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts liegt. Im Gegensatz zu den Fundumständen gibt es in den Inventarbüchern keine Aussagen zu der genauen Fundstelle. Der Hinweis auf eine »Urne mit Resten von Knochen und Asche« deutet zweifellos auf ein Urnengrab.

Fundstellen mit dieser Fundgattung, zumal aus der römischen Kaiserzeit, sind jedoch bislang in der Gemarkung Belleben nicht bekannt geworden. Die in diesem Kontext noch weitgehend aktuelle Zusammenstellung von Rudolf Laser verzeichnet lediglich eine »streng gegliederte« Schalenurne unbekannten Fundortes aus der nahen Gemarkung Alsleben (Salzlandkreis) 7. Zudem wird von einem »Hügel« unbekannter Lage bei Alsleben berichtet, aus dem unter anderem ein römischer Fingerring »von schwarzer, matt glänzender Masse« mit der Aufschrift AVE DVLCI und »Urnen in Menge […], doch nur in Bruchstücken« stammen sollen 8. Folglich kann aus den derzeit verfügbaren Informationen keine genaue Fundstelle des Gorgoneions
rekonstruiert werden.

Aus dem überlieferten Grabinventar von Belleben ergibt sich zusammenfassend das Bild einer Person, die die neueste Gürtelmode trug, die im 3. nachchristlichen Jahrhundert höchstwahrscheinlich die römischen Rheinprovinzen gesehen hatte und diese Erlebnisse in Gestalt des Gorgoneions zur Schau trug, die ihre letzten Tage im östlichen Harzvorland verbrachte, um sich nach dem Tod gemäß germanischer Sitte auf dem Scheiterhaufen verbrennen und in einem Keramikgefäß, das zu einer Urne umfunktioniert wurde, begraben zu lassen."

(Volltext unter: Uni Heidelberg)

 

Abb. - Das Gorgoneion (a-c) von Belleben (Salzlandkreis). – (a. c Fotos F. Gall; b Foto H. Löhr). – M. 1:1.

Bild und Textnachweise:

  • Fabian Gall, Ein römisches Gorgoneion aus Belleben-Haus Zeitz (Salzlandkreis), In: Archäologisches Korrespondenzblatt 45 Nr. 1 (2015), herausgegeben vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Mainz 2017, S. 125 ff. mit weiteren Nachweisen
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